In Sonntagsreden wird gerne der Aufbruch in eine Wissensgesellschaft beschworen, in der Investitionen in Bildung und Forschung die höchste Rendite versprechen.
Politisch gehandelt wird danach in Niedersachsen nicht: Die Hochschulen sind unterfinanziert, überfüllte Hörsäle und Seminare bestimmen den Studienalltag und notwendige Investitionen in den Hochschulbau bleiben aus. Es ist Aufgabe des Landes für eine ausreichende Finanzierung der Hochschulen zu sorgen. In Niedersachsen wird diese Aufgabe über Gebühren auf Studierende abgewälzt.
Studiengebühren werden abgeschafft
Das werden wir ändern. Mit der SPD haben Studiengebühren keine Zukunft. Die Abschaffung von Studiengebühren ist für uns nicht nur ein Gebot der Chancengleichheit, sondern auch ein Akt der ökonomischen Vernunft. Die OECD hat uns vorgerechnet, dass in den nächsten 10 Jahren auf 100 Akademiker, die in Rente gehen, nur noch 90 folgen werden. Diese demografische Entwicklung ist eine schwere Hypothek, sie wiegt besonders schwer für Niedersachsen. Denn hier ist der Anteil der Hochqualifizierten an der Erwerbsbevölkerung deutlich geringer als in anderen Bundesländern. Wir sind bundesweit Schlusslicht bei der Studierquote und aus keinem anderen Bundesland wandern mehr Studierende ab. Mittlerweile geht jeder zweite niedersächsische Abiturient in ein anderes Bundesland zum Studieren, und viele blieben nach dem Studium gleich dort.
Öffnung der Hochschulen für Gesellen
Wir wollen diesen Abwanderungstrend stoppen und gleichzeitig vorhandene Bildungsreserven besser mobilisieren. Unser Ziel ist die echte Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung, deshalb werden wir für beruflich Qualifizierte neue Wege in die Hochschule eröffnen. Zwar ermöglicht das Hochschulgesetz schon jetzt ein Studium ohne Abitur, doch bisher ist die Lern- und Lehrkultur an den Hochschulen nicht auf Berufstätige als Studierende vorbereitet. Das muss sich ändern, durch gezielte Studienangebote für die Gruppe der Berufstätigen, eine flexible und familienfreundliche Studienorganisation und die Anrechnung von in der beruflichen Ausbildung und im Beruf erbrachten Leistungen. Für die SPD ist die offene Hochschule die Hochschule der Zukunft.
Kooperationsverbot im Bildungs- und Wissenschaftsbereich aufheben
Um den immensen Reformbedarf im Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu bewältigen, ist das im Rahmen der Föderalismusreform für den Bereich Bildung und Wissenschaft beschlossene Kooperationsverbot nicht sachgerecht. Wir setzen uns daher für eine Abschaffung des Kooperationsverbotes ein. In Zukunft muss es erlaubt sein, dass im gesamten Bildungs- und Wissenschaftsbereich Bund und Länder zusammenwirken können und Finanzhilfen des Bundes möglich sind.
Bologna-Reform endlich umsetzen
Weitere Herausforderungen sehen wir in der Umsetzung der Bologna Reform. Deren Ziele – Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes und Verbesserung der Mobilität junger Menschen – sind noch nicht erreicht. Ein Studium muss auch wieder Freiräume zum Denken ermöglichen.
Es gibt also einiges zu tun, ganz im Sinne des Göttinger Universalgelehrten Georg Christoph Lichtenberg:
„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
Ihre Dr. Gabriele Andretta