100 Jahre Frauenwahlrecht

Aufruf des Frauenrats

„Fordert das Stimmrecht, denn über das Stimmrecht geht der Weg zur Selbständigkeit und Ebenbürtigkeit, zur Freiheit und zum Glück der Frau“ – mit diesem enthusiastischen Aufruf trat die Feministin Hedwig Dohm 1873 für das Frauenstimmrecht ein. Es sollten noch weitere 45 Jahre vergehen, bis ihre Forderung sich erfüllte – genau bis zum 12. November 1918.

Die provisorische Revolutionsregierung, der aus sechs Männern bestehende Rat der Volksbeauftragten, verkündete mit ihrem Aufruf „An das deutsche Volk“ das Wahlrecht für Frauen und verankerte es am 30. November in der Verordnung über die Wahl zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung.

Am 19. Januar 1919 war es dann soweit: Frauen in Deutschland konnten sich erstmals an den Reichstagswahlen beteiligen und ihr für uns heute selbstverständliches Wahlrecht ausüben.

In vielen Festveranstaltungen wird daran erinnert.  Daran, dass das Frauenwahlrecht nicht über Nacht gekommen ist. Es wurde nicht durch Krieg und Revolution in die Welt gestoßen. Nein, es wurde in einem langen Kampf errungen, Es waren Frauen wie Marie Juchacz, Clara Zetkin und Lida Gustava Heymann, die für das Frauenwahlrecht kämpften.

Die Wählerinnen straften jene Lügen, die meinten, Frauen interessierten sich nicht für Politik: Mehr als 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben bei der ersten Wahl  ihre Stimme ab, auf den Listen kandidierten 300 Frauen – Zahlen, die ihren politischen Gestaltungswillen eindrucksvoll belegen. Von den insgesamt 423 Abgeordneten zogen dann 37 Frauen in die Nationalversammlung ein.

Auch wenn die Parlamentarierinnen der ersten Stunde mit einem Anteil von 9,6 Prozent zahlenmäßig kein großes Gewicht hatten, so war es doch ein Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung und eine Sternstunde der Demokratie!

Was einmal an Fortschritten für die Gleichberechtigung erkämpft wurde, kann auch wieder verloren gehen. Fortschritte sind nicht selbstverständlich, Stagnation und sogar Rückschritte nicht auszuschließen.

Das zeigt ein Blick in unsere Parlamente: Seit 1919 waren Frauen in keinem deutschen Parlament gleichberechtigt vertreten. Nach Fortschritten im Schneckentempo und jahrelanger Stagnation folgten zuletzt Rückschritte. Im Bundestag ist der Anteil weiblicher Abgeordneter so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr, im niedersächsischen Landtag liegt er bei unter 30 Prozent.

Freiwillige Selbstverpflichtungen der Parteien haben die Chancen von Frauen, Mandate zu erringen, nicht so verbessert, wie wir uns dies vor Jahren erhofft hatten.

Deshalb unterstütze ich die Forderung des Frauenrats ein Parité Gesetz nach französischem Vorbild zu verabschieden.

Beharren wir gemeinsam auf Fortschritt!

Aufruf des Deutschen Frauenrats