100 Jahre Arbeiterwohlfahrt in Deutschland, 40 Jahre in Göttingen – ein guter Grund zum Feiern.

Mit einen Aktionstag am Gänseliesel feierte am Samstag die Göttinger Arbeiterwohlfahrt (AWO) bei strahlendem Sonnenschein sein 40-ähriges Bestehen in Göttingen.

Auf Initiative der Sozialdemokratin Marie Juchacz wurde die Arbeiterwohlfahrt in Deutschland gegründet – einer Frau mit einem großen sozialen Herzen und sehr klugem Verstand. Sie sprach – ebenfalls vor 100 Jahren – als erste Frau in einem deutschen Parlament und spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung.

Mit ungeheurer Energie stritt sie im Reichstag für ihre bis heute wichtige sozialpolitische Mission: Sie stritt für ein besseres Schulwesen, für mehr Volksbildung, verbesserten Mutterschutz und stärkere Säuglings- und Kinderfürsorge. Sie suchte nach Lösungen für die große Wohnungsnot, forderte mehr Engagement in der Jugendpflege und in der Arbeitslosenfürsorge. Manche Probleme scheinen uns heute gelöst, andere hingegen sind erschreckend aktuell geblieben.

Ganz sicher aber wäre sie sehr stolz darauf, wie sich die AWO in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland und den letzten 40 Jahren hier in Göttingen entwickelt hat. Was aus ihrer – einmal klein begonnen – Initiative geworden ist. Hiervon konnte ich mich letzten Samstag persönlich auf dem Markt rund um das Gänseliesel abermals überzeugen.

Die Liste der vielfältigen Aktivitäten der AWO Göttingen ist beeindruckend und gerade wieder um einen wichtigen Punkt länger geworden:
Mit dem neusten Beratungsangebot kümmert sich die Göttinger AWO um Kinder, deren Eltern psychisch belastet oder erkrankt sind. Solch eine Lebenssituation kann – nicht nur für die Eltern – mit unterschiedlichen Sorgen und Ängsten verbunden sein. Hierdurch können auch die Beziehungen untereinander betroffen sein und Mütter und Väter in ihrem Erziehungsverhalten beeinflussen.

Kinder können die seelischen Belastungen eines Elternteils besser verstehen und verkraften, wenn ihre Bedürfnisse gesehen werden, sie Unterstützung und Aufklärung erhalten. Bisher gab es für die Kinder hier kein eigenes Unterstützungsangebot.
Die AWO kooperiert hierzu mit den psychiatrischen Fachkliniken in Göttingen und bietet hier Sprechstunden und Informationsgespräche für Betroffene und Angehörige an. Darüber hinaus wird ein enges Netzwerk mit anderen Einrichtungen unterhalten, um betroffenen Kinder und ihre Familien zu stabilisieren.

100 Jahre Arbeiterwohlfahrt in Deutschland, 40 Jahre in Göttingen – das ist in der Tat ein guter Grund zum Feiern.