9. November – Schicksalstag der deutschen Geschichte

zerstörte Göttinger Synagoge (Nov. 1938, Stadtarchiv)

Kein Tag der deutschen Geschichte ist so prägend und wechselhaft zugleich. Während für die jüngere Geschichte der Bundesrepublik der 9. November für die friedliche Revolution vor 30 Jahren steht und das Ende der DDR-Diktatur symbolisiert, ein Tag der Hoffnung und des Friedens, so sehr wirft er aber auch seinen Schatten auf eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.  

So gedenken wir an diesem Tag ebenso der gewaltsamen Ereignisse und Opfer der Reichspogromnacht von 1938. Der 9. November 1938 markiert den Zeitpunkt, an dem die bis dahin auf Vertreibung der Juden ausgerichtete Politik des NS-Regimes in direkte Gewalt und Vernichtung mündete. An dem die Nationalsozialisten mit ihren Fackeln durch die Straßen zogen und die Synagogen in Deutschland niederbrannten – auch hier in Göttingen.  

Und dies nur 20 Jahre nachdem der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann während der Novemberrevolution am 9. November 1918 mit den Worten „Arbeiter und Soldaten: furchtbar waren die vier Kriegsjahre … das Morden ist vorbei …  Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik“ die erste Republik auf deutschen Boden ausrief.

Der 9. November – ein Tag an dem Freud und Leid der deutschen Geschichte nicht enger beieinander liegen könnte. Und so sollte er besonders in der jetzigen Zeit Anlass sein, in der die Sprache immer mehr verroht, in der wieder offener Hass und Hetze salonfähig wird, ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt zu setzen.