Göttingen bekommt „Tempo 30“ Modellstrecke

In Niedersachsen soll in den nächsten Jahren auf sechs Streckenabschnitten die Auswirkung von Tempo 30 auf Luftqualität, Lärmbelastung und Verkehrsablauf auf Hauptverkehrsstraßen untersucht werden.

Insgesamt hatten sich 18 Kommunen mit 52 Streckenabschnitten für das Modellprojekt des Landes beworben. Ein Gutachterkonsortium hat jetzt unter der Vorgabe, für Niedersachsen möglichst repräsentative Strecken auszuwählen, auch zwei Strecken in der Region ausgewählt.

Hierzu gehört die Landstraße in Friedland in der Kategorie „Kleine Orte“, sowie die Königsallee in Göttingen in der Größenkategorie „Großstädte“.

Mit dem Modellprojekt soll herausgefunden werden, wie sich Tempo 30 auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen in Bezug auf CO2-Ausstoß, Lärm und Sicherheit auswirkt. Aber auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, sowie die Auswirkungen auf Fuß- und Radverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr sollen untersucht werden.

„Was lange währt, wird endlich gut. Denn die jetzt ausgewählten Modellstrecken gehen auf den rot-grünen Antrag ‚CO2-Reduktion, weniger Lärm und Vision Zero mit Tempo 30 – Modellversuche ermöglichen‘ aus 2016 – also der letzten Legislaturperiode – zurück“, freut sich die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete.

Beworben hatte sich die Stadt Göttingen für das Modellprojekt Anfang 2018 mit der rot-grünen Ratsmehrheit für drei Strecken: der Reinhäuser Landstraße (vom Geismar Tor bis zur Kiesseestraße), der Königsallee (von der Groner Landstraße bis zur Godehardstraße) und dem Düstere-Eichen-Weg (von der Herzberger Landstraße bis zum Nikolausberger Weg).

Hintergrund ist die Verpflichtung zur Einhaltung der im Göttinger Klimaschutzkonzept festgehaltenen CO2-Einsparungen. Die CDU und FDP lehnten damals eine Teilnahme am Modellversuch ab. „Wir brauchen eine Grüne Welle und keine Temporeduzierung auf 30“, begründete man damals die Ablehnung.

„Dass nun auch auf Hauptverkehrsstraßen die Wirkung von Tempo 30 untersucht wird, zeigt, dass auch die CDU in Person ihres niedersächsischen Verkehrsministers Althusmann die ideologischen Scheuklappen in Bezug auf Tempo 30 endlich abgelegt hat“, so Andretta.

„Es freut mich sehr, dass mit der Auswahl der Königsallee die Stadt Göttingen in ihren Klimaschutz-Bestrebungen durch das Verkehrsministerium unterstützt wird. Denn während in Wohngebieten Tempo 30 mittlerweile von einem Großteil der Menschen geschätzt wird, ist hier für Hauptverkehrsstraßen sicherlich noch viel Überzeugung nötig. Die schafft man am besten mit positiven eigenen Erfahrungen und objektiven Untersuchungen. Hierzu gibt es nun in Göttingen die Möglichkeit“, ist die Sozialdemokratin Andretta optimistisch.


Zum Hintergrund:

Die jetzt beschlossenen Modellstrecken sind Teil der Arbeit eines Runden Tisches, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der fünf Landtagsfraktionen, des Verkehrs-, Umwelt- und Innenministeriums, der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, des Niedersächsischen Städtetages, des Niedersächsischen Städte und Gemeindebundes, des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, der Landesverkehrswacht Niedersachsen, des ADAC Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, des Automobilclubs von Deutschland, des Auto Clubs Europa Region Nord, des Verkehrsclubs Deutschland, des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen, der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/ Bremen, des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und des ADFC Niedersachsen.

Grundlage für die Arbeit des Runden Tisches ist die Landtagsentschließung vom 18.08.2016 auf der Grundlage eines Antrags der damaligen Regierungsfraktionen von SPD und Grünen „CO2-Reduktion, weniger Lärm und Vision Zero mit Tempo 30 – Modellversuche ermöglichen“.