Unterwegs im Wahlkreis – COVID-19-Forschung in Göttingen

Zwei Tage lang war ich zusammen mit meinem Kollegen Thomas Oppermann in Göttingen auf „Corona-Tour“. Wir wollten uns über die Folgen der Corona-Pandemie bei Einrichtungen vor Ort informieren und gleichzeitig mit unseren Gesprächspartnern einen Ausblick nach vorne wagen.

Station 4: Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation beschäftigt sich mit der gesamten Vielfalt dynamischer Phänomene, Strukturbildung und Selbstorganisation in verschiedenen Fachrichtungen. Hier werden die grundlegenden Mechanismen des physikalischen Prozesses der Selbstorganisation und miteinander wechselwirkende Teile erforscht.

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) ist ein Institut der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Es ist 2004 aus dem Max-Planck-Institut für Strömungsforschung hervorgegangen. 2011 zog das früher in der Bunsenstraße angesiedelte Institut auf den Max-Planck-Campus am Faßberg. Hier rückte das MPIDS nicht nur räumlich näher an das dort befindliche Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, mit dem bereits Kooperationen im interdisziplinären Bereich zwischen Physik, Biologie und Medizin bestanden.

Verschiedene Forschungseinrichtungen und Experten in Deutschland haben früh ihre Aktivitäten der Untersuchung des Coronavirus aus verschiedenen Fachperspektiven gewidmet, um die Vorhersage der Ausbreitung zu verbessern und die Entwicklung von Maßnahmen gegen die Pandemie zu unterstützen. Unter anderem war das Göttinger MPIDS an der gemeinsamen Stellungnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der vier größten deutschen Forschungsinstitutionen (Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft) beteiligt, die sich mit der mathematischen Analyse der Ausbreitung der COVID-19-Erkrankungen und der Vorhersage der weiteren Entwicklung beschäftigen. Die Forscher haben eine gemeinsame Analyse der Situation verfasst, ihre Ergebnisse in einem Positionspapier zusammengetragen und mögliche Bewältigungsstrategien aus Sicht der Modellierung vorgelegt. Doch auch über diese in der Öffentlichkeit vielbeachtete Stellungnahme hinaus bringen sich viele der Göttinger Forscherinnen und Forscher in die wissenschaftliche Erforschung der COVID-19-Epidemie ein.

Der geschäftsführende Direktor des MPIDS Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Bodenschatz, der normalerweise die Dynamik komplexer nichtlinearer Systeme experimentell und theoretisch erforscht, hat für unseren Besuch daher ein eng getaktetes, aber umso interessanteres Programm über die aktuellen COVID-19-Forschungen am Institut organisiert!

Unter erhöhten Corona-Sicherheitsvorkehrungen am Institut hatten wir so die Gelegenheit, uns über die einzelnen Teilbereiche der aktuellen Forschungen zu informieren und mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu diskutieren.

Die einzelnen Referenten waren:

  • Viola Priesemann:
    Anpassungsstrategien zur Eindämmung der COVID-19-Epidemie
  • Michael Wilczek:
    Analyse des Seuchenverlaufs in Deutschland
  • Phillip Bittihn:
    Die Rolle von Schwankungen und lokalen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie
  • Knut Heidemann:
    Herdenimmunität gegen COVID-19 unter Berücksichtigung der Kapazitäten des Gesundheitssystems
  • Theo Geisel:
    Die Rolle der menschlichen Mobilität in der COVID-19-Epidemie
  • Eberhard Bodenschatz:
    Ausbreitung von SARS-COV-2 Aerosolen und Wirkung von Atemmasken

Hier hat sich einmal mehr die Exzellenz unserer Göttinger Forschungseinrichtungen gezeigt. Das Göttinger MPIDS trägt wesentlich dazu bei, den richtigen Umgang mit der Epidemie zu finden. In einer Krisensituation wie dieser sind Forschung, Aufklärung und Vernunft immer noch das beste Mittel gegen Unsicherheit und Angst – und die Pandemie selbst.